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Gibt es eine Chance für Ostafrika?

Gibt es eine Chance für Ostafrika?

Preisgekrönter Journalist auf Entdeckungsreise

 

Ostafrika – auf keinen Kontinent und in keiner Gegend war ich in meiner Arbeit als Entwicklungshelfer bisher häufiger. Immer wieder Äthiopien, Kenia, Ruanda, Uganda und mehrmals in Tansania. Und immer wieder bin ich mit mehr Fragen als Antworten nach Deutschland zurückgekehrt. Wie kann es sein, dass …? Ähnlich ist es auch dem preisgekrönten Journalisten und Orientalisten Navid Kermani bei seinen Reisereportagen für die ZEIT gegangen. In dem Buch „In die andere Richtung jetzt“ beschreibt er seine Reise durch Ostafrika. 

Vorgestellt von Steve Volke

 

Wer hat´s geschrieben: 

Navid Kermani, geb. 1967, kennt sich in der Welt aus. Er ist deutscher Schriftsteller, Publizist, Reporter und habilitierter Orientalist. Manche bezeichnen ihn als den zur Zeit einflussreichsten Intellektuellen in Deutschland. In seinen Reportagen und Büchern beschreibt er Grenzerfahrungen und menschliche Schicksale, die außergewöhnlich sind und oft unter die Haut gehen. Er beschäftigt sich mit Musik, Religion, Mystik und den Härten des ganz realen Lebens. Kermanni hat die deutsche und iranische Staatsbürgerschaft. Sein Vater arbeitete im katholischen St. Marien-Krankenhaus in Siegen. Kermani wuchs im deutschen Protestantismus auf, versteht sich aber als ein Wanderer zwischen den Religionen. Zu seinen Werken zählen „Gott ist schön – das ästhetische Erleben des Koran“, „Der Schrecken Gottes: Attar, Hiob und die metaphysische Revolte“, „Ungläubiges Staunen. Über das Christentum“ oder auch „Jeder soll von da, wo er ist, einen Schritt näher kommen. Fragen nach Gott“. 

 

Worum geht´s?

„In die andere Richtung jetzt“ enthält Reportagen und Reiseberichte aus Madagaska, den Komoren, Mayotte, Mosambik, Tansania, Kenia, Äthiopien und Nuba. Und zum Schluss ein Bericht einer Reise, die der Autor gemeinsam mit seiner Tochter in Ostafrika unternommen hat. Es beginnt wie ein Tagebuch. Doch schnell wird klar, dass Poesie nur in kleinen Dosen vorhanden sein wird. Über Kulte, Gangs und Korruption bis hin zu einer Antwort, warum es trotzdem Hoffnung gibt, nimmt Kermani seine Leser auf eine besondere Reise mit. Diese Reise führt nicht nur in fremde Länder, sondern auch ins eigene Leben, Denken und ja sogar ins eigene Herz. Immer wieder stellt sich die Frage: „Wie kann es eigentlich sein, dass die Länder mit den reichsten Bodenschätzen zu den ärmsten Ländern der Welt gehören?“. Das Buch trägt sehr zum besseren Verständnis von Afrika und den Menschen, die dort leben, bei. 

 

Und wie isses?

Sehr, sehr lesenswert! Selbst für Leserinnen und Leser, die Afrika nicht gut kennen, ist es leicht verständlich, gewinnbringend und interessant geschrieben. Kermani ist ein Erzähl-Meister, der es schafft, durch kleine Beobachtungen und den Anmerkungen zwischen den Zeilen Herzen zu gewinnen. Afrika ist der Kontinent, der viele Fragen aufwirft und wenige eigene Antworten zu haben scheint. Warum das so ist, wird durch diese Reiseberichte zumindest ein wenig mehr verständlich. Aber egal, wie die wirtschaftliche Situation in den verschiedenen Ländern sein mag, es sind die Menschen, die dort leben, denen wir begegnen sollten. Sie ernst zu nehmen und sie mit ihren Fragen, Lebensumständen und kulturellen Zusammenhängen besser zu verstehen, dafür bietet dieses Buch eine erstklassige Grundlage. Diese Reise durch Ostafrika hat mich wirklich begeistert. Ein empfehlenswertes Buch!

 

Beurteilung:

5 von 5 Sternen

 

Navid Kermani

In die andere Richtung jetzt

Eine Reise durch Ostafrika

C.H. Beck

272 Seiten

26,00 Euro

 

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